Woher kommt eigentlich diese allgemeine Aversion gegen Remakes?
Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: Sobald man irgendwo im Netz auch nur die leiseste Ankündigung einer Neuverfilmung eines bekannten Kino-Stoffes liest, folgen schon wenig später die immer gleichen User-Kommentare: "Pfuih, ein Remake!!! Die sollen sich was Neues einfallen lassen! Hollywood ist echt am Ende, wenn/weil es nur noch alte Drehbücher aufwärmt." usw. usf.
Seltsamerweise erlebt man diese prinzipielle Abwehrhaltung gegenüber altem Material nur im Filmbereich.*
Ich habe noch nie (oder sagen wir äußerst selten und wenn, dann meist wegen ganz bestimmter inhaltlicher Vorbehalte) jemanden darüber meckern gehört, daß an einem Theaterhaus ein bestimmtes Stück zum x-ten Mal neu inszeniert wird. Egal ob es sich um sozialkritische Stücke wie "Die Weber", moderne Klassiker wie "Die Dreigroschen-Oper", Shakespeare-Gassenhauer wie "Ein Sommernachtstraum" oder Schillers allseits beliebte "Räuber" handelt (um nur ein paar Evergreens zu nennen), wenn diese in verschiedenen Städten von verschiedenen Ensembles immer wieder anders dargeboten werden, geht es in der Kritik vornehmlich um die Art der (Neu-)Inszenierung, den (neuen) Ansatz, den der Regisseur zu finden vermochte (oder auch nicht), sowie um die schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Selten aber wird thematisiert - und noch seltener bösartig kritisiert -, daß es sich dabei im Grunde um "Remakes" handelt.
Da scheint es also tatsächlich große Rezeptionsunterschiede zu geben. Es wäre wirklich mal interessant, zu untersuchen, wieso die wiederholte Neuinterpretation eines Stoffes durch verschiedene Theater-Regisseure allgemein akzeptiert wird, während bei der Ankündigung einer filmischen Regie-Arbeit, die auf einem existierenden Script/Film beruht, immer gleich ein Aufschrei folgt.
---------- *Auch an Cover-Songs scheiden sich natürlich immer wieder die Geister. Dabei scheint es aber eher um den zeitlichen Abstand zwischen Original und Neuinterpretation zu gehen. Sobald ein Lied alt genug ist, darf man es von der mürrischen Masse relativ unbehelligt neu einspielen und veröffentlichen.