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Kino-Review: District 9


"Guten Tag. Besitzen sie einen Fernseher, ein Radio, einen Computer oder ein transdimensionales Artefakt, mit dem sie Kabelfernsehen empfangen können?"

Das englische Wort Alien kann in seiner Muttersprache neben der in Deutschland bekannten Bedeutung des Außerirdischen auch noch allgemein für die Bezeichnung von Ausländern jeder Art benutzt werden. Diese Zweideutigkeit nahm schon der sehenswerte Film Alien Nation und darauf aufbauende TV-Serie zum Anlass, auf metaphorische Weise Kritik an Rassismus zu üben. Ganz ähnlich ist auch die Grundidee von District 9, des Leinwand-Debüts des südafrikanischen Filmemachers Neil Bloomkamp, der nach einigen großartigen Kurzfilmen (die man sich z.B. hier, hier und hier ansehen kann) dank der Unterstützung von Produzent Peter Jackson nun seinen ersten abendfüllenden Spielfilm machen konnte.

Und folgendes ereignet sich darin: 1990 tauchte ein überdimensionales Raumschiff plötzlich im Himmel über Johannisburg auf. Offensichtlich auf der Erde gestrandet, wurden die hilflosen Insassen, insektoide Aliens, in einem Slum unterhalb ihres regungslos schwebenden Schiffes eingepfercht. Die militärische Überwachung und bürokratische Verwaltung dieses neunten Distrikts wurde von der Regierung an den internationalen Mega-Konzern MNU übergeben. Die südafrikanische Bevölkerung, so erfährt der Zuschauer, will die abfällig als "Schrimps" bezeichneten Außerirdischen jedoch am Liebsten aus ihrer Stadt haben. Am Anfang des Films lernen wir in Pseudo-Doku-Interviews den MNU-Beamten Wikus von der Werwe (Sharlto Copley) kennen, der trotz seiner offensichtlichen Naivität die Leitung einer wichtigen Mission ins Innere von Distrikt 9 bekommt. Kaum im Alien-Slum angekommen, müssen er und die Soldaten, die ihn begleiten, feststellen, dass die Schrimps sich alles andere als kooperativ verhalten. Und ein merkwürdiger Fund in einem der Wellblech-Hütten ist der Katalysator für eine radikale Veränderung im Verhältnis zwischen Mensch und Alien, in welcher Wikus wider Willen plötzlich eine tragende Rolle zukommt…

Eigentlich sollte der erste 29-jährige Bloomkamp ja den Computerspiel-Megahit Halo verfilmen, was jedoch an einem zu hohen Budget scheiterte. So machte er lieber mit der für Hollywood-Verhältnisse (absurderweise) eher schmalen Summe von 30 Millionen eine abendfüllende Version seine Kurzfilms Alive in Joburg. Man kann fast froh sein, dass aus Halo nichts wurde, denn District 9 wurde zu Recht zu einem Überraschungshit des Kino-Jahres in den USA. Im Stil einer Dokumentation wird zu Beginn des Films ein düsteres, offensichtlich satirisches, Porträt einer fremdenfeindlichen Gesellschaft gezeichnet, welches durch den Handlungsort Südafrika und die Verwendung echter Slums als Sets noch an kritischer Pointiertheit gewinnt. Im Laufe des Films gehen die dokumentarisch gehaltenen Szenen jedoch in einen traditionelleres filmisches Erzählen über. Das ist angesichts des actionreicheren zweiten Teils auch nur logisch, kann sich Bloomkamp doch so ganz auf die Geschichte konzentrieren, ohne hanebüchene Ausreden dafür erfinden zu müssen, warum in den Szenen immer ein Kameramann in der Nähe ist. Der Übergang zwischen den beiden Stilen ist ungewöhnlich, ist jedoch geschickt genug gemacht, um nur wenig zu irritieren.

Was den Film darüber hinaus so gut funktionieren lässt, sind seine Hauptdarsteller, sowohl die menschlichen als auch die außerirdischen. Da wäre zunächst einmal die tragende Figur des Wikus von der Werwe. Der schauspielerische Laie Sharlto Copley verkörpert diesen mit einer erstaunlichen Bandbreite von Emotionen. Am Anfang als blasser Bürohengst mit naiven Ambitionen und tapsiger Freundlichkeit präsentiert, der auch gut in Stromberg oder The Office passen würde, macht gerade diese Gewöhnlichkeit sein spätere, von Leid und Angst geprägte, Odyssee umso glaubhafter. Dem gegenüber befinden sich die Aliens als Fokus der Geschichte. Meisterhaft von mehreren CGI-Häusern und Bloomkamp (der selbst ein Trick-Spezialist ist) als reine CGI-Wesen umgesetzt, überzeugen sie weniger durch ihren Photorealismus (obwohl dieser angesichts des Budgets auch schon verblüffend ist), sondern noch viel mehr durch die geschickte Konzentration auf Details wie Körpersprache und komplexe Mimik, welche die Emotionen trotz eines nicht vorhandenen Gesichts für den Zuschauer nachvollziehbar machen. Tatsächlich wirken die Schrimps im Laufe des Films menschlicher als ihre von Hass und Gier zerfressenen terranischen Gegenparts.

Es gibt jedoch noch einen Star in dem Film, Bloomkamp selbst. Mit originellen visuellen Mitteln etabliert er sich bereits mit seinem Debüt als Meister des cineastischen Erzählens. Keine Sekunde lang ist District 9 langweilig, von Anfang bis Ende wird der Zuschauer geradezu emotional gefesselt und fast gegen den eigenen Willen auch in den brutalsten Szenen mitgerissen. Ebenso beweist der Regisseur, dass man keine zweieinhalb Stunden braucht, um eine komplexe Geschichte erschöpfend zu erzählen, man muss er nur verstehen, straff und effektiv zu inszenieren. Schließlich benutzt Bloomkamp zwar wie viele andere Filmemacher zur Zeit ebenfalls in den Actionszenen eine sehr kinetische Kamera (die angesichts der Doku-Elemente aber auch mehr Sinn macht als z.B. in Transformers), der Zuschauer verliert jedoch trotzdem nie den Überblick. So muss Action-Kino sein!

Intelligent, aber trotzdem spannend. Effektgeladen, aber trotzdem menschlich. Brutal, jedoch nie zum Selbstzweck. District 9 macht wirklich alles richtig. Das größte Kompliment ist jedoch, dass man sich nach dem fulminanten Ende geradezu eine Fortsetzung herbeisehnt. Genug offene Fragen und Story-Potential besitzt das realistische Sci-Fi-Szenario auf jeden Fall.

District 9 erhält von mir zehn von zehn Gesichtstentakel.
11.9.09 11:14
 



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