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Kino-Review: Antichrist


Ein Hit unter Hobbygärtnern: Der Willem Dafoe-Gnom

Nach dem tragischen Tod ihres kleinen Sohnes ist ein namenloses Ehepaar (Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg) am Boden zerstört. Während der Mann, ein erfolgreicher Therapeut, sich seiner Trauer stellt, driftet seine Frau, eine Kulturwissenschaftlerin, immer mehr in eine merkwürdige neurotische Angstzustände ab. Er versucht sie zu therapieren und stellt nach mehreren bitteren Rückschlägen fest, dass der Ursprung ihrer irrationalen Furcht in dem gemeinsamen Ferienhaus des Paares namens "Eden" mitten im Wald zu finden ist. Mit der Hoffnung auf einen Durchbruch kehrt er mit seiner Frau wieder nach Eden zurück. Isoliert im Wald wird sie immer merkwürdiger und auch er selbst sieht immer mehr Dinge, die nicht rational erklärt werden können. Haust etwa wirklich das Böse in den Wäldern? Und war der Tod ihres Kindes doch mehr als ein Unfall?

Der neueste Film des Dänen Lars von Trier entstand aus einer tiefen Depression des Regisseurs. Zu behaupten, dass man diesen Umstand dem Film anmerkt, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Zu Depressionen neigende Menschen sollten einen großen Bogen um den Film machen, denn Antichrist lässt die auch nicht gerade fröhlichen Vorgängerfilme des Filmemachers wie Dogville und Dancer in the Dark geradezu lebensbejahend wirken. Dabei ist ihm rein handwerklich noch nicht einmal ein schlechter Horrorfilm gelungen. Sein Talent für das Genre bewies er schon mit der TV-Serie Geister, und auch hier versteht er es, eine beklemmende Gruselatmosphäre zu schaffen. Doch wo seine Krankenhausserienparodie den Horror stets ironisch bricht, bleibt Antichrist immer ernst, bis es fast nicht mehr auszuhalten ist. Das gegenseitige Zerfleischen des Paares mit anzusehen ist für den Zuschauer mindestens genauso eine anstrengende Tour de Force, wie es ohne Zweifel für die Schauspieler gewesen sein muss. Dabei bedient sich das Kammerspiel nicht nur psychischer, sondern auch physischer Folter, die vor allem gegen Ende an einschlägige Genre-Vertreter wie Saw oder Hostel denken lässt.

Während Letztere jedoch Folter gern wie einen Porno inszenieren (Nahaufnahmen, Gestöhne & Geschreie und ein spritzender Höhepunkt), geht von Trier genau den umgekehrten Weg. Damit komme ich zu dem wohl auffälligsten Merkmal des Films, nämlich seine zahlreichen Sexszenen. Ohne das Feigenblatt eines geschickten Schnitts werden wirklich alle körperlichen Einzelheiten des Geschlechtsaktes en detail gezeigt, obwohl man davon ausgehen kann, dass auch Body Doubles und/oder Prothesen zum Einsatz kamen. Anregend ist daran aber gar nichts, denn Sex in Antichrist ist nur ein weiteres Instrument der Gewalt, nicht Ausdruck von Liebe, sondern nur von Hass. Von Trier inszeniert also Sex als Folter.

Was den Film als cineastische Erfahrung fast noch frustrierender macht, ist seine offensichtliche handwerkliche Größe. So wartet Antichrist nicht nur mit unheimlichen, sondern auch mit unheimlich schönen Landschaftsbildern auf, die meisterhaft von Kameramann Anthony Dod Mantle (Oscar für Slumdog Millionär) eingefangen werden. Überreste des technikfeindlichen Dogma-Stils, dem Von Trier jahrelang folgte, findet man nur noch in den Innenaufnahmen der Hütte, die bisweilen wie ein TV-Drama wirken. Positiv erwähnt werden muss auch die Musik des Films. Diese erinnert an David Lynch und erzeugt mit dröhnend hämmernden Bässen und jaulenden Streichern eine Atmosphäre der Furcht. Letztendlich sind es aber die beiden Schauspieler, fast den ganzen Film allein, die den teilweise fast abstrusen Horror für den Zuschauer so unmittelbar transportieren. Sowohl Dafoe als auch Gainsbourg spielen unglaublich realistisch eine Bandbreite von Emotionen, die von Trauer über Wut bis zu Verzweiflung reichen.

Diesen Film einigermaßen objektiv in eine Skala einzuordnen, fällt mir unglaublich schwer. Es ist definitiv kein Film, dem ich irgendjemanden (der nicht masochistisch veranlagt ist) empfehlen würde. Trotzdem ist es auf keinen Fall ein schlechter Film. Über einen großen Teil hinweg ist er eine sehr intelligente Auseinandersetzung mit dem Verhältnis der Geschlechter, eine Parabel über das Böse in jedem einzelnen Menschen. Auf der anderen Seiten geht von Trier gegen Ende für meinen Geschmack einfach zu weit und beweist eine Menschenverachtung, die zweifelsohne für ihn unglaublich therapeutisch war, aber trotzdem unverzeihlich ist. Hin und her gerissen zwischen Ekel und Faszination, Begeisterung und Ablehnung, entscheide mich für die neutrale Mitte.

Antichrist bekommt von mir 333 von 666 Punkten.

Deutscher Kinostart: 10.09.2009
8.8.09 18:35
 



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