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Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders


"Hör mal! Ich glaube, ich rieche was!"

Die Wahrnehmung des Menschen besteht bekanntermaßen aus fünf Sinnen (außer man sieht tote Menschen). Manche unserer Sinne sind allgegenwärtig, wie das Augenlicht und das Gehör. Andere sind so selbstverständlich, daß man sie kaum wahrnimmt. Wie der Geruchssinn. Obwohl wir bei jedem Einatmen durch die Nase gleichzeitig riechen, sind wir uns dessen nur bewußt, wenn uns etwas wirklich Stinkendes oder außergewöhnlich Duftendes unter die Nase kommt. Die Idee eines Menschen mit einem übermäßig ausgeprägten Geruchssinn erscheint auf den ersten Blick nicht so interessant, daß man damit einen ganzen Roman füllen könnte. Erst recht keinen spannenden. Trotzdem hat Patrick Süskind genau das getan, und einen Weltbestseller geschaffen.
Süskinds Roman Das Parfum war 8 Monate auf der Spiegel-Bestsellerliste, bis heute wurden über 12 Millionen Exemplare des Buchs verkauft und es wurde in 41 Sprachen übersetzt. Jetzt haben Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Tom Tykwer daraus einen Film gemacht. Eichinger hat schon zuvor einen populären Historienroman erfolgreich auf die große Leinwand gebracht, nämlich Der Name der Rose.

Der Film folgt dem Buch vor allem anfangs penibel. Eine Erzählerstimme erzählt uns mit Süskinds Worten die Geburt des "Scheusals" Jean-Baptiste Grenouille im Paris des 18ten Jahrhunderts. Grenouille ist ein Genie von Mozartschen Ausmaßen, nur das sein Gebiet nicht die Musik, sondern Gerüche sind. Von der Machart erinnert der Anfang des Films an eine düstere Version von Die fabelhafte Welt der Amelie. Grenouille (Ben Whishaw) wird mit jedem Lebensjahr mehr zum Geruchsfetischisten, der schon bald einen Plan fasst, für dessen Ausführung er über Leichen geht. Kein Wunder, ist Das Parfum laut Untertitel doch "die Geschichte eines Mörders". Der Weg Grenouilles kreuzt sich dabei mit denen des abgehalfterten Parfumeurs Guiseppe Baldini (Dustin Hoffman), des reichen Kaufmann Antoine Richis (Allan Rickman) und dessen wunderschöner Tochter Laura (Rachel Hurd-Wood).

Ein Teil der Faszination der Romanvorlage ist sicherlich der sprachlich virtuösen Beschreibung von Gerüchen zu verdanken. Da man diese schwerlich optisch darstellen kann, wurde das Buch von vielen mit dem beliebten Prädikat "unverfilmbar" belegt. Süskind selbst schien dieser Meinung zu sein, schließlich sträubte er sich ganze 15 Jahre gegen eine filmische Umsetzung seines Werkes. Bernd Eichinger hingegen schien zu wissen, was für eine potentielle Geldmaschine ein Film nach dem erfolgreichsten deutschen Roman seit Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues sein würde. Auf jeden Fall ließ er nicht locker und es gelang ihm schließlich vor fünf Jahren, die Rechte zu erwerben. Damit begann die nicht einfachere Suche nach einem geeigneten Regisseur. Namen wir Ridley Scott, Steven Spielberg und Stanley Kubrick sind schon in Verbindung mit einem Parfum-Film gefallen. Letzten Endes durfte sich Tom Tykwer an der Verfilmung des vermeintlich Unverfilmbaren versuchen.

Seine Umsetzung funktioniert fast auf allen Ebenen sehr gut. Zum Einen ist Tykwer ein faszinierendes Porträt des 18ten Jahrhunderts gelungen, dass sich hinter ähnlichen Historienfilmen wie z.B. Roman Polanskis Oliver Twist nicht zu verstecken braucht. Mit viel Liebe zum Detail wurde die Epoche vor der Französischen Revolution wieder zum Leben erweckt, verdreckte Straßen und ebenso schmutzige Menschenmassen inklusive. Dieses Bild wird dabei soweit ästhetisiert, dass selbst Unrat zu glänzen vermag. Tykwers Porträt ist also eher ein aufwändiges Gemälde als ein realistisches Foto. Das erhöht aber den optischen Genusswert, was mir persönlich bei einem Film wichtiger ist als dogmatischer Realismus. Da Süskinds Beschreibungen im Buch auch gern ans Poetische grenzen, entspricht der Film somit auch wieder dem Roman.
Die zweite Hürde für Tom Tykwer war die Darstellung der Geruchswelt von Grenouille. Hier zieht der Regisseur sämtliche gängigen filmischen Register, von extremen Nahaufnahmen über blitzschnelle Schnitte bis hin zu sorgfältig gesetzten Sound- und Musikeffekten. Das Ergebnis ist eine gelungene Übersetzung des Olfaktorischen ins Audiovisuelle. Dabei erfindet Tykwer zwar nicht das Kino neu, rutscht aber auch nicht in nervige Kameraeffekte zum Selbstzweck ab, wie es in letzer Zeit z.B. bei Regisseur Tony Scott (Domino) der Fall zu sein scheint.

Die Optik des Films stimmt also, aber wie sieht es mit der Besetzung aus? Eichinger und Tykwer haben sich für Das Parfum eine stimmige Mischung aus deutschen und englischen Schauspielern zusammengestellt. Dustin Hoffman und Alan Rickman sorgen für Hollywood-Flair und schauspielerische Glanzleistungen, ohne sich störend in den Vordergrund zu drängen. Mit Corinna Harfouch als Parfumeurswitwe Madame Arnulfi sieht man auch ein bekannteres deutsches Gesicht, das jedoch blass bleibt. Die restlichen Schauspieler sind weitestgehend unbekannt, stehen ihren prominenten Kollegen aber in nichts nach. Besonders Karoline Herfurth als das Maribellenmädchen und Rachel Hurd-Wood als Laura sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch talentiert. Sie sind alle aber nicht viel mehr als Nebenfiguren. Die einzige Hauptfigur und Dreh- und Angelpunkt des Films ist natürlich Ben Whishaws Grenouille.

Die Umsetzung des olfaktorischen Genies und Mörders ist leider nur unvollständig gelungen. Das liegt aber keineswegs an Ben Whishaws Leistung. Ganz im Gegenteil, dem unbekannten 26-jährigen Theaterschauspieler gelingt es, Grenouille durch den ganzen Film hindurch als faszinierende Figur zu verkörpern, obwohl er fast durchgängig stumm spielt und der Film von Nahaufnahmen seines Gesichts dominiert wird. Das Problem ist eher dem Umstand geschuldet, dass die Drehbuchschreiber versucht haben, ihn (verständlicherweise) als sympathischen Charakter darzustellen. Nun ist der Grenouille der Romanvorlage kein bißchen sympathisch, sondern ein widerliches, berechnendes Monster. Der Protagonist des Films ist dagegen eher ein autistischer Geruchsfetischist, der für seine Gelüste offenbar nichts kann. Damit verliert er aber auch viel von seiner Gefährlichkeit, der "Bestie" werden sozusagen die Zähne gezogen. Auch dem Ende fehlt es damit an emotionaler Wucht. Vielleicht ist dies auch der Tatsache geschuldet, dass sich der Film mit einer FSK-12-Freigabe an ein breites Publikum wendet. So werden auch die Morde ihrer Schockwirkung beraubt, weil sie meist Off-Screen geschehen und auch Blut sieht man nur wenig. Deutschlehrer können so den Film ohne Bedenken im Klassenzimmer zeigen, wie nach dem DVD-Release auch unweigerlich geschehen wird.

Damit komme ich zu meinem zweiten großen Kritikpunkt. Dieser ergibt sich aber eher aus dem generellen Problem einer filmischen Umsetzung von Literatur und trifft nicht nur auf Das Parfum zu. Meist gehen nämlich satirische und ironische Nuancen und eine facettierte Charakterisierung dadurch verloren, dass das Geschehen zwangsläufig gezeigt, und nicht erzählt wird. Zuletzt fiel mir dieses Phänomen beim bereits erwähnten Oliver Twist auf. Auch Das Parfum leidet an diesem Manko. Man kann nicht mehr viel erkennen von Süskinds satirischer Kritik an der Beeinflussbarkeit von gierigen, egoistischen Menschen. Eine Passage über einen übereifrigen Pseudowissenschaftler wurde sogar gänzlich gestrichen.

Trotzdem ist Das Parfum ein guter Film. Sogar ein sehr guter. Ein genialer Meilenstein ist es aber nicht. Bernd Eichinger und Tom Tykwer haben eine fantastische Geschichte in einem optisch opulenten und stimmig besetzten Historienfilm umgesetzt. Gleichzeitig haben sie aber Grenouille und seine Taten im Vergleich zum Buch beschönigt und die Geschichte ihrer satirischen Aussage beraubt. Daher bezweifle ich, dass der Film denselben überragenden Erfolg haben wird wie die Romanvorlage.

12 Essenzen für das Parfum wurden zwar gefunden, aber die 13te und wichtigste Essenz fehlt.
17.9.06 12:21
 



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