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The Descent - Abgrund des Grauens


The L Word: Lauf!

Wow, endlich mal ein unterhaltsamer Frauenfilm! Naja, eigentlich eher ein Frauenhorrorfilm. Und ich meine damit keinen Film über schreckliche Frauen. Äh... ich fang einfach noch mal von vorn an.

Horrorfilme wollen in uns, dem Zuschauer, seit jeher das instinktivste Gefühl von allen wecken, nämlich Angst. Keiner weiß, warum wir uns an dieser eigentlich sehr unangenehmen Emotion erfreuen können, wenn sie uns in einem fiktiven Kontext vermittelt wird. Vielleicht ist die eigentliche Belohnung die Erleichterung, die wir verspüren, wenn die tour de force vorbei ist. Sei es wie es sei, Filmemacher haben über die Jahrzehnte immer neue Methoden ausgetüftelt, um uns das Fürchten zu lehren. Zur Zeit schaffen dies vor allem Filme japanischer Gangart, auch wenn diese ihren Zenit langsam überschreiten. The Descent pfeift auf die aktuelle Mode und würzt das alte Grundprinzip „Survivalhorror“ mit einem originellen Twist.

Dieser Twist ist die Tatsache, dass die gesamte Besetzung des Films nur aus Frauen besteht. Und zwar aus sechs Freundinnen, die lieber zusammen Extremsituationen wie eine Fahrt auf einem reißenden Fluss bestehen, als eine Pyjamaparty zu machen. Ein Jahr nach einem schrecklichen Unfall wollen sie ihre Freundschaft erneuern, indem sie ein Höhlensystem in den Appalachen erforschen. Angeführt von der erfahrenen Juno (Natalie Mendoza) steigen sie hinab in den gähnenden Abgrund. Vor allem der nervösen Sarah (Shauna McDonald) ist der Trip nicht ganz geheuer, denn sie hört immer wieder komische Geräusche. Anfangs scheint alles glatt zu gehen.Doch dann stürzt plötzlich ein Gang ein, und sie sind hunderte Meter unter der Erde lebendig begraben. Und als wäre das nicht schon genug, um den Adrenalinspiegel hoch zu treiben, müssen sie auch noch entdecken, dass sie etwas verfolgt. Und es hat Hunger...

Achtung! Jedem Klaustrophobiker ist von diesem Film nur schärfstens abzuraten. Sobald die sechs Frauen in den Höhlen sind, nutzt Regisseur Neil Marshall nur noch die Lichtquellen, die den Abenteuerinnen zur Verfügung stehen, also vor allem Taschen- und Helmlampen. Außerdem werden rieselnde, knackende und schließlich knurrende Geräusche als Boten drohenden Unheils eingesetzt. Die klaustrophobische Stimmung überträgt sich dadurch automatisch auf den Zuschauer, insbesondere, wenn er über ein abgedunkeltes Heimkino mit Surroundanlage verfügt. Auch die sorgfältig gesetzten Schockmomente verfehlen nicht ihre Wirkung.

Abgesehen davon, dass er handwerklich perfekt gemacht wurde, verzichtet der Film erfrischenderweise auf gängige Horrorfilmklischees. Jede der Frauen wird als glaubhafte Figur dargestellt, auch wenn einige mehr, andere weniger Aufmerksamkeit bekommen. Dadurch wird ihr Schicksal noch grausamer, da man wirklich mit jeder einzelnen von ihnen mitfiebert und jeder Tod schockiert.

Neil Marshall zeigte schon mit Dog Soldiers, dass er guten Horror mit interessanten Charakteren machen kann. Mit The Descent legt er die Latte noch ein bißchen höher und hat den wohl spannendsten Survivalhorror seit Alien kreiert. Und außerdem bewiesen, dass Horrorfilme nicht automatisch „Männerfilme“ sein müssen.

Aufgrund eines etwas seltsamen Endes bekommt der Film von mir 5 Todesschreie von 6.
29.8.06 00:14
 
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