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Kiss Kiss Bang Bang


"Nimm das, Ally McBeal!"

Zugegeben, manches an diesem Film ist nicht neu. So haben wir uns im (post-)modernen Kino inzwischen an die Durchbrechung der typischen Erzählstruktur gewöhnt. Unser Sehverhalten ist sozusagen schon geschult, wenn es um das Spiel mit den Erwartungen an den Off-Sprecher geht (so lieferte David Fincher das klassische Beispiel und den passenden Kommentar zu den Erfahrungen einer ganzen Filmgeneration: Tyler Durdens lakonisches "Ah, Rückblendenhumor!"). Auch makabre Krimiplots, abgetrennte Körperteile und zynische Weltanschauungen sind in unzähligen Tarantino-Klonen zur Gewohnheit verkommen. Mitunter langweilen diese Elemente heute nur.

Hin und wieder findet sich aber ein Film, der aus all den bekannten Zutaten doch noch einen erfrischenden Cocktail zu mixen versteht. Kiss Kiss Bang Bang gelingt dies mit spielerischer Leichtigkeit. Denn Genrekonventionen gab es (fast) schon immer. Die Kunst ist und bleibt, sich darin stilsicher zu bewegen, Grenzen in den richtigen Momenten auszureizen und immer wieder einen neuen Einsatz des Handwerkszeugs erkennen zu lassen. All dies wird hier geboten.

Die Schauspieler lassen die Figuren mit einer solchen Süffisanz und Lässigkeit durch ihre Stationen gleiten, das es eine wahre Freude ist ihnen zuzusehen. Val Kilmer war lange nicht so gut, gerade weil er die nötige Zurückhaltung walten läßt. Robert Downey Jr. trifft den liebenswerten Unglücksraben punktgenau, so daß die Sympathien des Zuschauers nie in Gefahr sind.

Absolutes Highlight sind für mich aber die Dialoge. Denn obgleich das Schema (zynischer Spruch - dumme Gegenfrage - noch zynischere Antwort - fieser Lacher) ebenfalls keine Neuerfindung des Rades darstellt, kamen bei der Anwendung schon lange nicht mehr so gute Sprüche heraus. Ich mußte die DVD sogar ein-zweimal anhalten, damit wir in gemütlicher Runde auslachen konnten, ohne den Anschluß der Handlung zu verpassen. Eine wohlige Seltenheit für eine ansonsten eher schwarzhumorig-stille Komödie, deren deutlichstes Merkmal cooles Understatement ist.
Das obligate abgetrennte Körperteil ist eher klein, der Oberschurke eher zurückhaltend und die femme fatale eher unschuldig.

All dies harmoniert, nimmt sich selbst nie zu ernst und macht daher einfach Spaß. Womit bewiesen wäre, daß das Genre "Tarantinoeske Krimikomödie" in den richtigen Händen noch lange nicht verbraucht ist.
Kiss Kiss Bang Bang darf somit bedenkenlos weiterempfohlen werden. Auch wenn der Film inzwischen vielerorts deutlich gelobt wurde, bleibt er also weiterhin der "Geheimtipp" des Jahres.

Dafür 8 x Kiss und 2 x Bang!
15.8.06 02:20
 
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