Der Gag mit dem Bauchrednerhund kam immer gut.Diejenigen unter euch, die etwas mit dem Begriff „Anime“ anfangen können, für die wird
Ghost in the Shell zumindest vom Namen her bekannt sein. Für den Rest sei nur soviel gesagt, das
Ghost in the Shell (GITS) 2 die Fortsetzung von einem der wohl bekanntesten und erfolgreichsten japanischen Animationsfilme ist (Diese Art Film wird „Anime“ genannt).
GITS 2 Innocence hat demzufolge einen hohen Standard zu erfüllen, um an den ersten Teil anzuknüpfen, sowohl was Story, als auch was Optik betrifft.
Im Vorgänger von
GITS 2 ging es um die Cyborgpolizistin Major Motoko Kusanagi und ihrem Partner Batô von der Spezialeinheit Sektion 9. Aufgrund der Ereignisse im ersten Teil muss der stoische Batô nun ohne den Major auskommen. Stattdessen wird ihm der überwiegend menschliche Togusa zur Seite gestellt, der ebenfalls schon im vorhergehenden Film vorkam. Schon an dieser Beschreibung kann man sehen, dass der Zuschauer ohne Vorwissen aus dem ersten Teil auf verlorenem Posten ist, wenn er der ohnehin komplizierten Story folgen will. In
GITS 2 ermitteln Batô und Togusa in einem Fall um eine Reihe von brutalen Morden, die von durchdrehenden Sexrobotern verübt werden, die sich jedes Mal danach selbst zerstören.
Der Film beginnt vielversprechend, obwohl die Idee der psychopatischen Roboter doch sehr an den „Puppetmaster“ aus dem ersten Teil erinnert. Oder an
I, Robot. Oder an
Frankenstein. Wie dem auch sei, auch wenn man vieles in dem Film nicht versteht (zumindest nicht beim ersten Sehen), so entschädigt die Optik des Film doch für viele Ungereimtheiten. Unter anderem wird eine fünfminütige Straßenparade gezeigt, deren Effektopulenz und Detailverliebtheit mit jeder Hollywoodproduktion mindestens mithalten kann. Leider kann
GITS 2 bei der Story nicht punkten. So wechseln sich bombastische CG-Szenen, in denen die beiden Protagonisten bestenfalls als kleine Figuren im Hintergrund teilnehmen, mit Szenen ab, in denen Batô und Togusa irgendwelche Tatorte untersuchen. Statt letztere zu nutzen, um die Story mit Hinweisen vorwärts zu treiben oder wenigstens die Figuren näher zu beleuchten, werden sie meist dazu verwendet, philosophische Gespräche zu führen. Wenn Togusa und vor allem der eigentlich eher schlicht gestrickte Batô plötzlich mit Konfuzius, der Bibel, Milton oder Descartes anfangen, passt das erstens nicht zu den Figuren (schon mal aus heiterem Himmel Existentialisten wortgenau zitiert?) und zweitens fühlt man sich plötzlich in den wahrscheinlich aufwendigsten Philosophie-Fernkurs der Welt versetzt. Während
Ghost in the Shell und auch andere anspruchsvolle SciFi-Filme wie z.B.
Matrix oder
Blade Runner das Gleichgewicht zwischen philosophischen Fragen und der eigentlichen Geschichte bewahren, gerät
Innocence mehr als einmal in eine ziemliche Schieflage. Dementsprechend passiert der Großteil der eigentlichen Detektivarbeit Off-Screen und wird im nachhinein zusammen gefasst. Nur ein einziges Indiz findet Batô selbst. Dafür findet er genügend Gelegenheiten, irgend etwas zu zerschiessen. Wenn er nicht damit beschäftigt ist, über Sein und Nicht-Sein nachzudenken.
Wenn nicht die unglaublich schönen Bilder wären, könnte man auf
Ghost in the Shell 2 Innocence getrost verzichten und sich lieber die Manga-Comics durchlesen oder die GITS Serie
Stand Alone Complex anschauen. So aber bekommt man immerhin reichlich Futter für die Augen geboten und vielleicht wird sogar Lust auf anspruchsvolle Literatur geweckt. Eine logische Story oder ausgereifte Charaktere darf man aber nicht erwarten. Zumindest Hundefans kommen auf ihre Kosten. Die sympathischste Figur des Films ist nämlich mit Abstand Batôs Basset Hound.
Von mir bekommt der Film 五 (go) von 十 (ju) japanischen Punkten. [
5 von 10 ]