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Der letzte Kuß


'Warum nur läßt mich Mel nicht einfach rein? Ob er irgendwie was gegen Juden hat?'

Immer wieder die Liebe. Vielleicht gibt es nicht jede/r gern zu, aber wir alle haben wohl Zeiten erlebt, in denen uns dieses unberechenbare Gefühl voll und ganz bestimmt hat. Einige hat sie zu den erstaunlichsten Heldentaten ermutigt. Andere wurden zu unsagbar dummen Leichtsinnigkeiten verführt. Manchem brachte sie zahllose Stunden voller Glück. Weitaus öfter dürfte sie aber Quell unzähliger Tränen gewesen sein. Wie auch immer sie unser Leben beeinflußt hat, so wissen wir doch alle, daß die Liebe meistens sehr viel komplizierter ist, als es uns trendige RomComs (hippe Modeabkürzung für "Romantic Comedy") nach Schema F weismachen wollen.
Da ich eigentlich kein Paar kenne, dessen Beziehung annähernd dem Werdegang der klassischen Hollywood-Blaupause entspricht, die inzwischen auch gern für einheimische Produktionen verwendet wird, war für mich schon sehr bald nach Pretty Woman die Luft raus. Nur wenige Filme konnten sich noch über den Einheitsbrei herausheben (wärmstens empfohlen sei hier Tatsächlich Liebe, der trotz unglaublich banal-schnulzigem Titel sehr vielseitig ist und dem Genre ein Maximum an Unterhaltungswert abgewinnt), so daß man schon eine besondere Affinität zu der Thematik haben muß, um solchen Filmen immer wieder eine Chance zu geben. Darum ignorieren vor allem männliche Filmfreaks das Genre gern komplett, so ähnlich, wie es Frauen dafür mit den immer gleichen Actionabhandlungen tun. Die Gefahr dabei: Wenn dann tatsächlich ein guter Beitrag zum Thema anläuft, ist ein Großteil des Publikums schon lange nicht mehr interessiert.

Ähnlich dürfte es wohl leider auch Der letzte Kuß ergehen. Was wirklich bedauerlich ist, da sich der Streifen dem Herzschmerz endlich mal wieder auf angenehm realistische Art und Weise widmet. Die Handlung setzt im Grunde einige Jahre nach den tausend klassischen Happy Ends ein. Im Mittelpunkt steht Michael, dem wir ohne Zweifel zutrauen, seine Herzensdame ebenso romantisch gewonnen zu haben, wie der Standard-Traumtyp aus Die Eine oder Keine. Nur endete seine Beziehung eben nicht in Abblende zu netter Popmusik über dem Abspann. Nein, er ist mit seiner Jenna inzwischen stolze drei Jahre fest zusammen. Um das Glück perfekt zu machen, ist seine Traumfrau auch noch schwanger. Genau der richtige Moment für den 29jährigen also, um an Heirat und Hausbau zu denken. Zu dumm nur, daß ihm nicht einmal drei Paare einfallen wollen, die nach fünf Ehejahren immer noch glücklich zusammenleben. Ok, da wären Jennas Eltern. Die beiden führen auch nach 30 Jahren noch eine wahre Musterehe. Oder vielleicht doch nicht? Als Michael dann auf einer Hochzeitsfeier auch noch Kim kennenlernt, deren Interesse eindeutig über netten Small Talk hinauszugehen scheint, ist sein Gefühlschaos perfekt.

Voll süßer Melancholie beschreibt der Film eine Generation von Liebenden, die zutiefst verunsichert ist. Unsere Generation. Sahen unsere Eltern oftmals noch gar keine andere Option, als einfach Zusammenzubleiben und das Leben in den gewohnten Bahnen weiterzuführen (ganz zu schweigen von unseren Großeltern), so heißt es für uns seit jeher Freiheit der unzähligen Möglichkeiten. Nichts muß mehr dauerhaft Bestand haben. Angesichts der Beschwörung vielseitigster Erlebnisse, wie sie uns in der Popkultur immer wieder vorgelebt werden, muß auch die treueste Seele irgendwann in Zweifel geraten. Hier setzt Der letzte Kuß an.
Dabei macht es sich Regisseur Tony Goldwyn aber nie so einfach, den schwarzen Peter schlicht den allgemeinen gesellschaftlichen Umständen zuzuschieben. Die von Tom Wilkinson hervorragend dargestellte Nebenfigur bringt es auf den Punkt. Auch früher gab es Versuchungen. Auch er geriet immer wieder in Gefahr zu straucheln. Nur tat er es eben nicht. So müssen sich nicht nur Michael und seine Freunde die Frage stellen, ob sie auch bereit sind, für all ihr Handeln die Konsequenzen zu tragen. Der Zuschauer sieht sich ebenso mit dieser Frage konfrontiert.
Und das ist es, was dieses Liebes-Spiel auszeichnet. Anstatt romantischem Geplänkel gibt es Gedanken und Szenen sehr dicht am echten Leben. Der Film ist vielleicht nicht perfekt, denn er ist nicht frei von Vereinfachung und Verallgemeinerung. Manche Facetten werden einfach ausgeblendet. Sicherlich müßte sich ein Partner, der in gewissen finanziellen Abhängigkeiten stünde, ganz anders verhalten und könnte nicht mal eben auf unbestimmte Zeit ins Hotel ziehen. Oder tagelang der Arbeit fernbleiben. Aber kein Film der Welt kann wirklich jeden Aspekt aus jedem Blickwinkel abarbeiten. Zumal dies der Aussage eher schaden dürfte. Aus dem Szenario wird hier das Maximum an Realismus herausgeholt, was vor allem den hervorragenden Darstellern zu verdanken ist. Sämtliche Paare harmonieren wunderbar, sei es in Liebe, Streit oder Verzweiflung. Besonders die Szenen mit Jenna und Michael (Jacinda Barrett und Zach Braff) fühlten sich manchmal an wie ein Blick in den Spiegel.

Zwar ist es schwierig hier Einzelleistungen herauszuheben, da insgesamt die dialogischen Szenen klar überwiegen, aber ein wenig möchte ich doch noch auf die Schauspieler eingehen.
Zach Braff trägt die Haupthandlung souverän vorwärts, da er stets nachvollziehbar agiert. Außerdem verleiht er seiner Figur eine wunderbar melancholische Note, die auch in lustigen Momenten immer durchschimmert. Man spürt seine Sorgen rund ums echte Erwachsenwerden, was die Identifikation mit dem Charakter gut möglich macht.
Neben dem schon gelobten Tom Wilkinson sind des Weiteren Blythe Danner und Rachel Bilson positiv aufgefallen. Erstere erfüllt die keineswegs unfehlbare Mutter und Gattin mit unglaublicher Würde, so daß man keine Sekunde Wut gegen sie empfindet. Bilsons Figur ist ein wenig naiv gezeichnet, was aber zu ihrem Verhalten paßt bzw. dessen Voraussetzung ist. Außerdem ist sie so entzückend, daß erst dadurch Michaels Fehltritt wirklich nachvollziehbar wird.

Das Script geht auf den italienischen Film Ein letzter Kuß zurück, den ich bislang noch nicht gesehen habe (was aber in den nächsten Tagen sicherlich nachgeholt wird, die VHS steht schon bereit). Darum kann ich nicht beurteilen, welche Sätze bereits im Original enthalten waren und welche wir Paul Haggis' Adaption zu verdanken haben. Insgesamt findet sich aber eine Fülle wunderschöner Poesie-Sprüche, die nicht nur ins Herz treffen, sondern auch reichlich Denk- und Diskussionsmaterial nach dem Kinobesuch bieten.
Als letztes bliebe noch die Musik zu besprechen. Obwohl ich durchaus ein großer Freund von Score-Kompositionen bin, begrüße ich auch immer wieder die Verwendung von modernen Songs mit passenden Texten. Die Liedauswahl ist in meinen Ohren absolut gelungen. Nachdem schon der Trailer musikalisch perfekt auf Thematik und Machart eingestimmt hat, war es sehr angenehm, daß der Titel von Snow Patrol nicht nur im Film erneut Verwendung fand, sondern diesen gleich eröffnete. Schönste Musik-Szene ist sicherlich die Montage vor der Haustür zu Coldplays "Warning Sign".

Obwohl der Film in Abhängigkeit der eigenen Lebenssituation nicht für Jedermann eine Offenbarung sein dürfte, ist er handwerklich über jeden Zweifel erhaben. Dazu bietet er trotz (oder wegen?) unspektakulärer Story und manch offensichtlicher Entwicklung, viele Identifikationspunkte und läßt einen nie kalt.
Es ist einerseits erfrischend, daß hier eine gewissermaßen maskuline Fokussierung der Probleme stattfindet (im Vordergrund stehen immer Männer: der Verunsicherte, der Verlassene, der Betrogene und der überforderte, junge Vater). Andererseits könnte dies den Film für Frauen schwieriger zugänglich machen als andere Genrevertreter. Letztlich wurde es irgendwie aber auch Zeit für eine Art männlichen Liebesfilm.

Darum kann ich über diesen Film schließlich nichts wirklich schlechtes schreiben. Bleibt nur die Empfehlung: Besonders sehenswert für Leute jenseits der 25.

Hier halten 8 von 10 Beziehungen glücklich bis ans Lebensende.
23.11.06 15:41
 



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