Auf vielfachen Wunsch

nun also auch meine Rezension zu Robert Zemeckis neu interpretierter Heldensage.
Cineasts schöne Besprechung erlaubt es mir dabei wieder einmal komplett auf eine Inhaltsbeschreibung zu verzichten und mich auch sonst ganz und gar auf die Fragen zu konzentrieren, die ich über den bloßen Stoff hinaus spannend finde.
Los geht's...
Um es auf den Punkt zu bringen: IMAX - wow! IMAX 3D - noch wower!
Ich bin nicht sicher, ob mich der Film gleichermaßen beeindruckt hätte, wenn ich ihn in einem herkömmlichen Kino gesehen hätte. Doch dazu gleich mehr. Zunächst muß ich meine Begeisterung für diese spezielle Art der Filmaufführung loswerden.
Die überwältigende Atmosphäre, die durch toll eingesetzte 3D-Effekte enormer Qualität erzeugt wird, macht das ganze Drumherum während der Laufzeit vollkommen vergessen. Nicht wenige Spielereien wechseln sich mit dem eindringlichen Gefühl echter Tiefe ab.
Dabei stört die notwendige Brille nie, Augenprobleme oder Kopfschmerzen hatte ich - trotz meiner normalen Sehhilfe unter den 3D-Gläsern - nicht im Geringsten.
Immer wieder drängt sich der Verdacht auf, daß zahlreiche Passagen (insbesondere die ideenreichen Kamerafahrten) speziell für die 3D-Fassung konzipiert wurden. Hier muß die Standardversion auf DVD erst noch zeigen, ob sich frustrierende Ernüchterung einstellt oder das Szenario auch begrenzt auf zwei Dimensionen noch zu fesseln vermag.
Und da beginnen sie, die Fragen, die unmittelbar auf das "Erlebnis" dieses Filmes folgen.
Trotz manches wirklich fotorealistischen Moments, in dem kein Unterschied mehr zwischen normalen Filmaufnahmen und Szenen digitaler Natur zu bestehen scheint, wirken die Hauptfiguren meist doch wie Puppen. Klar, die Technik ist deutlich besser geworden als noch bei
Final Fantasy oder
Der Polarexpress. Dennoch drängt sich immer wieder die Frage auf, wie beeindruckend ein solches Fantasy-Spektakel mit "echten" Schauspielszenen und den Effekten auf
Herr der Ringe-Niveau plus einige Jahre - also auf absolut neuestem Stand - geraten wäre. Somit beinhaltet Motion Capture immer auch einen letzten Zweifel, ob wirklich die bestmögliche Qualität der Inszenierung erreicht wurde - oder doch nur eine tricktechnische Spielerei aufgeführt wird, um eine substanzlose Geschichte aufzupeppen.
Für die 2D-Fassung sehe ich die Gefahr, daß ohne den Zauber der förmlich greif- und fühlbaren Szenerien, der Makel hölzerner Hauptakteure haften bleibt - wie er im
Polarexpress leider immer mal wieder durchbricht.
Vielleicht messe ich der CGI-Machart aber auch zu viel Bedeutung bei. Beweist nicht die mitnehmende Begeisterung, die auch von echten kompletten Puppentrickfilmen wie
Corpse Bride ausgeht, daß letzten Endes einzig und allein der Film zählt?
Hier überzeugt Zemeckis einmal mehr als Erzähler spannender Geschichten in flotter Inszenierung mit einigen einprägsamen Bildern. Die Charaktere sind nachvollziehbar ausgestaltet und ihre Schauspieler wurden sehr gut gewählt. Das historische Setting wirkt authentisch. Nach ca. 110 gut ausgewogenen Minuten, in denen sich nie eine billige Gut-Böse-, Schwarz-Weiß- bzw. Held-Monster-Klassifizierung einschleicht, mag das mehr oder minder offene Ende konsequent sein. Für meinen Geschmack läßt es jedoch ein paar Fragezeichen zu viel stehen.
Bei diesem insgesamt guten Eindruck bleibt der einzige Knackpunkt für mich also die starke Betonung der visuellen Komponente des Films.
Diese fällt beinahe zu gewaltig aus, ohne daß sich mir als Zuschauer erschließt, warum unbedingt das Motion-Capture-Verfahren für die Umsetzung benutzt wurde.
Traute man dem Stoff oder dem Drehbuch nicht genügend Zugkraft für eine vermeintlich langweiligere Realverfilmung zu?
Warum versteckt man erstklassige Charakterdarsteller hinter starren CGI-Masken? Nur um Angelina Jolie mühelos und ohne große Zusatzgagenforderungen quasi-nackt zeigen zu können?
Den Beleg für eine wirkliche Unumwindbarkeit des Motion Capture bleibt Zemeckis leider auch diesmal schuldig, so daß Ärger über den aufgeblasenen Bilder-Pomp bei manchem Kinogänger vorprogrammiert sein dürfte.
Denn daß er ansonsten wirklich ganz genau weiß, was für einen mitreißenden Film nötig ist, zeigt der Regisseur in jeder Erzählminute.
Fazit: Als 3D-Fassung hat mir der Augenschmaus jedenfalls gut gefallen und als besonderes Kinoereignis war das Ticket jeden Euro wert. Der visuelle Spaß war schon ein echter Hit und macht Lust auf mehr.
Rein filmisch gesehen, bietet diese Neuauflage eines Klassikers solide Unterhaltung mit einem Hauch anglistischen Hintergrundwissens (perfekte Kurzversion der alten Mär für alle Freunde des "Ich warte, bis der Film rauskommt!").
Auch wenn die
Beowulf-Vorlage vielleicht keine solch vielschichtige Dichte hergibt, wie mancher Fantasy-Nachfolger, der sich von ihr inspirieren ließ, unterhält der Film bestens.
Die Gewaltdarstellung und das Aussehen des Monsters sind dabei recht heftig ausgefallen, so daß die Freigabe ab 12 Jahren in meinen Augen sogar etwas sehr großzügig bemessen ist. Aber dies liegt sicher daran, daß es sich erstens um einen Animationsfilm handelt und zweitens in Deutschland nach wie vor eine Zwischenstufe wie "ab 14" fehlt (gerade die Entwicklung von 12 bis 16 Jahren beinhaltet dermaßen viele Veränderungen, daß mir ein Zwischenschritt mehr als gerechtfertigt erscheint).
Im Laufe der Jahrhunderte verfallen der schönen Monstermutter somit siebeneinhalb von zehn Königen.