"Ich stand auf dem Klo und wollte ne Uhr aufhängen. Da rutschte ich aus und schlug hart mit dem Kopf auf. Als ich wieder zu mir kam, hatte ich ein Bild in meinem Kopf: Der Fluxkompensator!"An manchen Tagen sollte man gar nicht erst aufstehen. Das denkt sich bestimmt auch Don Johnston, als er eines Morgens einen anonymen Brief bekommt. In diesem auf rosa Papier gedruckten Schreiben wird ihm von einer Ex-Flamme mitgeteilt, das er einen erwachsenen Sohn hat. Das Ganze wird dadurch verkompliziert, dass Don ein ziemlicher Casanova ist, und somit keinen blassen Schimmer hat, wer von seinen vielen Verflossenen ihm da geschrieben habe könnte. Angestachelt von seinem Nachbar, einem Hobbydetektiv, macht sich der alternde Don Juan auf, seine Geliebten von vor zwanzig Jahren eine nach der anderen abzuklappern.
Soweit ein Abriss des neuen Films von Jim Jarmusch, „Broken Flowers“. Dieser würde wahrscheinlich nur Hardcore-Jarmusch-Fans wirklich begeistern, wenn sein Hauptdarsteller nicht Bill Murray heißen würde. Dieser scheint sich auf schräge Komödien spezialisiert zu haben, und schließlich durfte er auch in Jarmuschs „Coffee & Cigarettes“ einen Auftritt als verwirrte Version seiner selbst absolvieren. Zum Dank für dieses Gastspiel hat ihm Jarmusch eine Rolle auf den Leib geschneidert, die des Don Johnston eben.
Dementsprechend bietet der Film ihm viel Gelegenheit den melancholisch-amüsierten Gesichtausdruck zur Schau zu stellen, den er in „Lost in Translation“ das erste Mal als Markenzeichen des „neuen“ Bill Murray mit viel Erfolg präsentiert hat und in seine letzten Filmen zur Perfektion gebracht hat. In „Broken Flowers“ fängt er allerdings fast an zu nerven, und Johnston wirkt manchmal wie Milosovic vor dem Kriegsverbrechertribunal. Zum Glück sind seine Ex-Flammen mit Schauspielerinnen wie Sharon Stone (Basic Instinct, Catwoman) oder Tilda Swinton (The Beach, Orlando) fantastisch besetzt, so dass man sich auf jede Konfrontation Johnston mit seiner Vergangenheit freuen kann.
Tatsächlich ist es zwischen diesen Szenen, in denen der Film eher langweilt als unterhält; außer man findet es spannend, Bill Murray beim Schlafen oder Autofahren zu zusehen. Was diese Passagen wiederum erträglich macht, ist der locker-groovige Soundtrack des Films. So plätschert der Film also so vor sich hin, reißt einen nie wirklich mit, stresst aber auch nicht. Einige Stellen sind göttlich, andere wiederum ziemlich überflüssig. Die rührendste Beziehung des Films fand ich übrigens keine von Johnstons Affären, sondern die Freundschaft zu seinem schrulligen Nachbar Winston, genial verkörpert von Jeffrey Wright.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass „Broken Flowers“ einige Lacher, ein bisschen gepflegte Langweile und mehr als eine Prise Melancholie enthält. Ob man einen Film, in dem außer Reden nicht wirklich viel passiert, im Kino sehen muss, kann sich jeder selbst beantworten. Für einen kuscheligen Videoabend ist der Film jedoch perfekt. Er bekommt von mir 3 von 5 eingeknickten rosa Rosen.