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A Scanner Darkly - Der dunkle Schirm

© Eigentum des jeweiligen Studios / Vertriebes
Plötzlich hatte Bob Arctor einen Moment der absoluten Klarheit; und ihm wurde bewusst, dass er nur eine Grafik in einem Internet-Blog war.

Philip K. Dick ist ohne Zweifel einer der größten Geister der Science-Fiction-Literatur. Er schrieb so geniale Romane wie „Ubik“ und „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“, sowie eine Reihe von wegweisenden Kurzgeschichten wie „Der Minderheiten-Bericht“ und „Erinnerungen en Gros“. Kennt ihr nicht? Wie wäre es mit Blade Runner, Minority Report und Total Recall? Schon immer waren Dicks Geschichten Vorlage für verschiedene (und verschieden gute) Verfilmungen. Man könnte sogar argumentieren, dass auch Filme wie Dark City, Matrix und ExistenZ ohne die mit doppelbödigen Realitäten, Paranoia und Verschwörungen angereicherten Prosa Dicks nicht existieren würden. Ein immer wiederkehrendes Element seiner Geschichten ist die Wahrnehmungsveränderung durch Drogen. Nicht ohne Grund, denn der Autor selbst bediente sich Amphetaminen, um mehr schreiben zu können. Das Resultat waren paranoide Wahnvorstellungen, ein Selbstmordversuch und die Einweisung in eine Entzugsklink. Diese biografischen Erfahrungen verarbeitete Dick in seinem späten Roman „Der dunkle Schirm“.

Der Roman ist weniger Sci-Fi, als vielmehr eine realistische Geschichte über Drogenabhängige, die sich einiger Elemente des Science Fiction bedient. Der Handlungsort ist Kalifornien in der nahen Zukunft. Ein großer Teil der Bevölkerung ist nach „Substanz T“ abhängig, einer Mischung aus Aufputschmittel und Halluzinogen auf pflanzlicher Basis. Der Kampf des Staates gegen die verheerenden Nebenwirkungen der Droge, die zu Schizophrenie führt, haben aus Amerika einen Polizeistaat gemacht, in dem jeder Mensch rund um die Uhr überwacht wird. Undercover-Agenten ermitteln im Drogenmillieu, um an die mysteriösen Produzenten von Substanz T zu identifizieren. Die allgegenwärtigen Kameras wird durch den „Jedermann-Anzug“ unbrauchbar gemacht, der in schneller Abfolge verschiedene Menschen auf die Originalperson projiziert und damit eine Identifikation unmöglich macht. Keiner der verdeckten Ermittler weiß also, wie der andere aussieht.

Richard Linklater übernahm bei der ambitionierten Verfilmung die Regie. Der optische Clou des Films ist die Umwandlung von mit realen Schauspielern gedrehten Sequenzen in Trickfilmszenen mithilfe digitaler Überzeichnung, ein Verfahren, dass auch Rotoskopie genannt wird. Keanu Reeves spielt in dem Real-Animationsfilmmix den Undercover-Cop Bob Arctor, der einen Junkie mimt und in seinem Haus die Süchtigen Barris (Robert Downey Jr.)und Luckman (Woody Harrelson) wohnen lässt, um an Informationen heran zu kommen. Zusätzlich hat er eine Beziehung zu der Drogendealerin Donna (Winona Ryder). Da er selbst von Substanz T abhängig ist, ist er seiner eigentlichen Aufgabe immer überdrüssiger. Seine Arbeit erreicht ihren absurden Höhepunkt, als er beauftragt wird, sich selbst zu überwachen, weil er als Bob Arctor mysteriöse Geldbeträge erhält, nämlich sein Gehalt als Cop.

Im Vergleich zu seinen früheren Romanen ist „Der dunkle Schirm“ ein vergleichsmäßig zahmer PKD Roman, und so ist auch die Verfilmung relativ unspektakulär. A Scanner Darkly hebt sich eigentlich nur durch seinen ungewöhnlichen optischen Stil wirklich von anderen Drogenfilmen a la Trainspotting oder Requiem for a Dream ab. Obwohl mich persönlich diese digitale Ausmalung bisweilen genervt hat, muss man zugeben, dass es eine wirkungsvolle Möglichkeit ist, die vernebelte, surreale Welt von Junkies wiederzugeben. Ein wenig Würze verleiht außerdem der futuristische Anstrich, der sich bis auf dem Jedermann-Anzug jedoch eher im Hintergrund hält.

Was der Zuschauer inhaltlich vor allem serviert bekommt, sind genial-schrullig gespielte Kiffergespräche zwischen den Schauspielgrößen Downey Jr. und Harrelson, neben denen sowohl Reeves als auch Ryder trotz gemalter Farben verblassen. Die eigentliche Story über die innere Zerrissenheit von Bob Arctor ist zwar prinzipiell interessant, wird jedoch zu oft in den Hintergrund des Films geschoben, um noch zu fesseln. Trotzdem weiß das schockierende Ende zu überzeugen, und setzt jenseits von erhobenen Zeigefingern ein eindringliches Plädoyer gegen Drogenmissbrauch.

A Scanner Darkly kann für sich verbuchen, wohl die original-getreueste Verfilmung eines Dick-Romans zu sein. Leider verliert der Film durch die kleinliche Wiedergabe der sinnlos witzigen Dialoge inhaltlichen Zusammenhalt. Ein bisschen so wie ein bekiffter Gesprächspartner, dessen Gedanken ständig abschweifen.

Es leuchten noch 7 von 10 Tuschfarben.
18.6.07 17:56
 
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