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Firefly: die Serie / Serenity: der Film



Ich bin ein Browncoat. Ja, ich geb es ehrlich zu. Nein, das hat nichts mit braunen Horden zu tun, die dümmliche Parolen vergangener Monster nachbrüllen. Ganz im Gegenteil: Als Browncoat identifiziert man sich mit höheren Idealen wie Ehre, Mut und Freiheit des Geistes. Nebenbei ist man außerdem noch ein Fan des Science-Fiction-Universum von Joss Whedon, welches einer Supernova gleich viel zu früh verlöscht ist, aber dafür alles überstrahlte. Nur auf eine unvollständige Staffel brachte es die ambitionierte Serie. Doch dank der Begeisterung von Fans und Crew durfte Whedon seine Geschichte in einem Kinofilm wenigstens zu Ende erzählen. Meine Meinung zu Beidem findet ihr nun hier, logischerweise gestaffelt in die Serie und den Kinofilm.

Teil 1: Firefly

© Eigentum des jeweiligen Studios / Vertriebes

Firefly ist eines der weniges Male gewesen, dass ich einen DVD-Blindkauf getätigt habe. Und das sogar bei einer kompletten Serie. Warum ich diese Entscheidung getroffen habe, kann ich heute gar nicht mehr mit Gewissheit sagen. Ich mochte weder die Serie Buffy noch Angel, weswegen ich deren Schöpfer Joss Whedon eigentlich nicht überschwänglich wohlgesonnen war. Zugegeben, das Konzept einer Mischung zwischen Western und Sci-Fi klang vielversprechend, hätte aber auch genauso gut ein Rohrkrepierer a la Earth II sein können. Neben den durchweg begeisterten Internetrezensionen hat mich vor allem eines bewogen, der Weltraumsaga eine Chance zu geben, nämlich ein Gefühl der Hoffnung. Seit Jahren schon warte ich auf eine Sci-Fi-Serie, die es mit den phantastischen Erzählwelten der zeitgleich ausgestrahlten Reihen Babylon 5 und Star Trek: Deep Space Nine aufnehmen kann. Damit meine ich eine Serie, die es mit jeder einzelnen Folge schafft, zu unterhalten, sich dabei im weiteren Verlauf noch steigert und zum Schauen der nächsten Folge zwingt, kurzum, die süchtig macht. Zugegeben, Akte X war zu seiner Glanzzeit eine solche Serie, so wie jetzt Lost, aber sie gehören in das Mystery-Genre, und nicht in das der Science-Fiction. Science-Fiction-Serien wiederum kamen nach den beiden von mir genannten Glanzlichtern nie wieder auf dieses Niveau zurück und pendelten sich irgendwo zwischen Stargate und dem gerade aktuellen Star Trek Ableger ein. Erst seit kurzem kann der Relaunch von Kampfstern Galactica die Lücke füllen. Davor gab es aber eben schon Firefly.

Während Galactica ein sehr gutes „Re-Imagining“ einer Trash-Serie aus den Achtzigern ist, kann Firefly mit einem völlig neuen Konzept punkten: dem Sci-Fi Western. Dieser scheinbare Widerspruch wird in Joss Whedons Universum zur Realität: Auf der Suche nach neuen Welten hat die, eine Mischung aus Englisch und Chinesisch sprechende, Menschheit ein Sonnensystem entdeckt, dass geradezu ideale Voraussetzungen für eine Besiedlung bietet. Nach langem und umständlichen Terraforming sind fast alle Planeten und einige Monde vom Menschen bewohnbar. Die zentralsten Planeten sind dabei am Beliebtesten, und werden schnell zu Hochburgen der Zivilisation. Je weiter die Planeten jedoch am Rand des System angesiedelt sind, desto schwerer wird es für die Siedler, dort zu überleben. Statt Natur gibt es dort nur Wüste, statt Fortschritt lediglich Rückschritt zu einer Zeit von Pferden und Kühen: Wilder Weltraum.

Zwischen diesen Randwelten fliegt die Serenity umher, ein heruntergekommenes Schiff der Firefly-Klasse. Ihr Captain ist Malcolm Reynolds (Nathan Fillion). Er ist ein ehemaliger Soldat in dem interplanetaren Bürgerkrieg zwischen den freiheitsliebenden „Browncoats“ und der faschistoiden Alliance. Letztere gewannen den ungleichen Krieg, und der Browncoat Reynolds benannte sein Raumschiff nach dem Ort seiner größten Niederlage. Mit an Bord sind seine alte Kampfgefährtin Zoё (Gina Torres), ihr Mann und Pilot Wash (Alan Tudyk), das amoralische Kraftpaket Jayne (Adam Baldwin), die immer gut gelaunte Mechanikerin Kaylee, (Jewel Staite) und Inara (Morena Baccarin, ohne Zweifel eine der schönsten Frauen der Welt), ein Edel-Callgirl.

Im Piloten der Serie vergrößert sich die Besatzung der Firefly noch um den Kleriker Shepard Book (Ron Glass) und die Geschwister Simon (Sean Maher) und River Tam (Summer Glau). Die letzten Beiden sind auch der Flucht vor der Alliance und finden in der Serenity Zuflucht. Doch können sie sich dem guten Willen von Captain Reynolds sicher sein? Und dann gibt es auch noch die Reefers, kannibalische Wahnsinnige, die das Weltall auf der Suche nach menschlichem Futter durchkämmen…

Keine Außerirdischen und keine intergalaktischen Reisen gibt es bei Firefly zu sehen. Die Serie kann zwar auch mit erstaunlich gut getricksten Weltraumaufnahmen überzeugen, aber nicht selten spielt sie auf irgendwelchen Randplaneten in Wild-West Optik. So ist auch der Höhepunkt des Piloten keine Schlacht in den Weiten des Alls, sondern ein ganz klassischer Shoot-Out, wie man ihn in jedem gutem Western finden kann. Bis es dazu kommt, müssen allerdings erst einmal die neun Hauptfiguren vorgestellt werden. Ich sage bewusst Hauptfiguren, da jeder der Charaktere so rund ist und in seiner Funktion ein so integrales Teil der Mannschaft, dass man kaum von Nebenfiguren sprechen kann. Die Einführung dieser neun Gefährten nimmt dann auch die meiste Zeit des Piloten im Anspruch, wodurch dieser zwar nicht weniger interessant wird, jedoch eine etwas verhaltene Story präsentiert. Trotzdem lassen sich schon hier die großartigen Ansätze der Serie erkennen, die vor allem aus den sympathischen Charakteren, den witzig-origellen Dialogen und dem überzeugendsten Raumschiffset, das es jemals im Science Fiction Genre gegeben hat, bestehen.

Die Verantwortlichen bei FOX sahen das anscheinend anders und zeigten nicht den Piloten, sondern die zweite Folge zuerst, die mit mehr Action aufwartet. Lediglich die erste Hälfte des Piloten wurde dann als elfte Folge nachgereicht. Der verständlichen Verwirrung der Zuschauer folgten mehrere Änderungen des Sendetermins und schließlich wurde die Produktion der laufenden Staffel vorzeitig abgebrochen, die letzten paar Folgen nie gezeigt. Da die Serie trotz fehlenden Endes ein Hit auf DVD wurde und eine blühende Fangemeinde nach sich zog, zeigt das wahre Ausmaß dieser katastrophalen Fehlentscheidung der FOX-Leitung, die sich entschlossen zu haben schienen, eine potentielle Goldgrube lieber brach liegen zu lassen, als der Serie eine Chance zu geben. Ein trauriges Fanal einer Zeit, in der jedes TV- und Hollywood-Projekt so lange dem Massengeschmack angepasst wird, bis man das cineastische Äquivalent eines Mc Donald Burgers serviert bekommt.

Der deprimierende Werdegang von Firefly sollte einem aber nicht den Spaß an der Serie an und für sich verderben. Jede der 14 Episoden sprüht gerade zu vor genialen Einfällen und überraschenden Wendungen. Firefly ist TV-Unterhaltung auf höchstem Niveau. Die Charaktere werden nicht langweilig, im Gegenteil, sie werden sogar mit jeder Folge interessanter. Da ist die unterschwellige sexuelle Spannung sowohl zwischen Inara und Reynolds als auch zwischen Kaylee und Simon. Da ist das ständige Risiko des Verrats durch den undurchsichtigen Jayne, der immer nur seinen eigenen Vorteil sieht. Da ist der Wahnsinn von River und das Geheimnis seines Ursprungs und und und. Jede einzelne Folge unter die Lupe zu nehmen würde den Rahmen dieser sowieso schon gigantischen Rezension sprengen. Meine persönlichen Lieblingsfolgen sind „Our Mrs. Reynolds“ und „Trash“, in denen die fantastische Figur der Saffron (die bezaubernde Christina Hendricks) auftritt. Kleine, aber interessante Info am Rande: Firefly zeigt gern CGI-Aufnahmen, die wie von einer verwackelten Handkamera aufgenommen scheinen. Die Serie ist damit die erste Produktion mit solchen Aufnahmen, bevor sie von Star Wars: Episode II und Kampfstern Galactica aufgegriffen wurden.

Kurzum, Joss Whedon hat mit Firefly ein Universum geschaffen, in dem man sich als Zuschauer sehr gern aufhält. Die Charaktere wachsen einem ans Herz und gewitzte Geschichten sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Obwohl Joss Whedon mit seinem Sci-Fi-Western auf jeden Fall neuen Boden betritt, ist das große Vorbild nicht zu übersehen: Star Wars. Malcolm Reynolds ist als Schlitzohr mit Herz ein würdiger Nachfolger von Han Solo und die Serenity ist das coolste Schmugglerschiff seit dem Millenium Falcon. Und obwohl die Serie vorzeitig endete, ging die Geschichte noch weiter…

Teil 2: Serenity

© Eigentum des jeweiligen Studios / Vertriebes

Manchmal besitzt das Schicksal einen Sinn für Humor, den sich kein Drehbuchschreiber der Welt ausdenken kann. So etwas Ähnliches musste sich auch Joss Whedon gedacht haben, als ausgerechnet die filmische Version seiner gescheiterten Serie das grüne Licht für die Produktion bekam. Nicht etwas eine Leinwandversion seiner Erfolgserie Buffy war sein Debüt als Film-Regisseur, nein, ausgerechnet aus der Asche seines größten Flops erscheint sein erster Kinofilm Serenity. Doch kann der Film auch an die Qualität der Serie anknüpfen?

Zeitlich unternimmt der Film einen Sprung gegenüber dem offenen Staffelende. Die Serenity fliegt zwar immer noch durch den Weltraum auf der Suche nach legalen und illegalen Jobs, aber sowohl Shepard Book als auch Inara haben das Schiff inzwischen verlassen, Letztere im Streit mit Captain Reynolds. Als River urplötzlich Amok läuft, nimmt ein Killer (Chiwetel Ejiofor), welcher der Alliance treu ergeben ist, die Verfolgung auf. Um dem gnadenlosen Jäger zu entkommen, muss die Crew der Serenity herausfinden, welches Geheimnis in Rivers verwirrtem Geist für die Alliance eine so große Gefahr darstellt. Die Spur führt ausgerechnet in das Gebiet der Reefers…

Geschickt nimmt Whedon den Faden seiner Serie wieder auf, ohne jedoch Neuankömmlinge vor den Kopf zu stoßen. Die Story konzentriert sich auf die ,auch in der Serie zentralen, Figur der scheinbar zerbrechlichen und psychotischen River. Leider kommen dabei auch einige lieb gewonnene Nebenhandlungen wie die Beziehung zwischen Reynolds und Inara etwas zu kurz, oder bleiben zusammen mit einigen der Charaktere ganz auf der Strecke. Dadurch umschifft Whedon jedoch auch die Gefahr der Überfrachtung. Der trockene, zeitweilig zynische Wortwitz der Serie wird zurück geschraubt, um kompromissloser und düsterer Action Platz zu machen. Das deutlich höhere Budget gegenüber der Serie wird vor allem in den Weltraumszenen offensichtlich, obwohl auch hier kein Star Wars erwartet werden sollte.

Chiwetel Ejifor als Killer und David Krumholtz als der verschrobene Hacker Mr. Universe sind die einzig prominent neuen Figuren im Firefly-Universum. Während Ejifor die Rolle des kaltblütigen, von Ehre predigenden Menschenjägers mit Bravour verkörpert; ist Krumholtz lediglich das wandelnde Klischee des nerdigen Computerfreaks, der nicht wirklich einen wichtigen Beitrag zur Handlung leistet und damit merkwürdig fehl am Platz wirkt in dieser ansonsten so clever durchdachten Geschichte.

Ansonsten ist Serenity genau wie die Serie ein Science-Fiction-Kleinod, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Leider wurde dem Film auch dasselbe Schicksal zuteil, denn an der Kinokasse wurde er weitestgehend übersehen. Aber dank den treuen Browncoats, die schon fleißig an Fanfiction schreiben, wird das Universum von Joss Whedon auf die eine oder andere Art weiter leben, getreu dem Motto der Show: „You can’t take the sky from me…“

Firefly - die Serie bekommt von mir shí von shí Punkten (10/10). Serenity ist mit jiǔ von shí (9/10) nur knapp dahinter.
11.5.07 20:32
 
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