Ein erstes Bild von Zack Snyders nächstem Projekt: einer "ab 18" Version von "Peter und der Wolf"WAS! FÜR! EIN! FILM! UNBEDINGT! IM! KINO! ANSEHEN!!!Ähem. Entschuldigung. Aber nach
300 hat man das Bedürfnis, alles zu schreien. Weiter geht’s mit der Rezi:
Es war einmal ein kleiner Junge namens Frank Miller, der sich einen 60er Jahre Sandalenfilm namens
The 300 Spartans (auf deutsch:
Der Löwe von Sparta) ansah. Der Junge war begeistert von der Geschichte der 300 Spartaner, die sich 480 v. Chr. der hunderttausende Mann starke Armee der Perser entgegen stellten. Der Junge wurde erwachsen und einer der bedeutendsten Comickünstler der Neuzeit. 1998 schrieb und zeichnete er seine Version der Schlacht am Gebirgspass der Thermopylen. Meine ausführliche Meinung über den Comic findet ihr
hier. Der Kreis schließt sich mit Regisseur Zack Snyders Filmversion von Millers Graphic Novel. Aber kann sie auch so begeistern?
Der Film hält sich, ganz im Stil der anderen Frank Miller-Verfilmung
Sin City, sehr nahe an das Original. Miller wollte ursprünglich selbst seinen Comic auf die große Leinwand bringen, übergab diese Aufgabe aber dann an Snyder. Mit dem Ergebnis war er sehr zufrieden. Viele Bilder des Comics wurden eins zu eins übertragen, dasselbe gilt für die wuchtigen Monologe.
Der Film beginnt mit der Lebensgeschichte des spartanischen Königs Leonidas. Zusammen mit ihm wird die gnadenlose Zivilisation der Spartaner vorgestellt. Lange vor Darwin glauben sie an das Überleben der Stärksten und unterziehen ihre Kinder einer Reihe von unbarmherzigen Tests. Als Ergebnis sind die erwachsenen Spartaner die perfekten Krieger, deren Leben nur ein Ziel hat, einen ehrenvollen Tod. Dagegen wirken Klingonen wie Kuschelhäschen.
Während Spartaner ihre martialischen Regeln nur auf sich selbst anwenden, sind die Perser eher expansionistisch. Sie kontrollieren zu dieser Zeit das größte Reich der Welt und haben nur ein Ziel: die Versklavung der ganzen Menschheit. Während die Spartaner, nun ja, „spartanisch“ leben, behängen sich die dekadenten Perser über und über mit Goldringen und –ketten und lassen ihre Sklaven die Drecksarbeit machen. Große Teile Griechenlands sind bereits von der riesigen Perserarmee überrannt worden. Sparta ist als Nächstes dran. Auch wenn dem spartanischen Senat eine diplomatische Lösung lieber wäre, gilt für König Leonidas (Gerald Butler) und seine Leibgarde von 300 Mann nur ein Gesetz: Spartaner beugen ihr Knie vor niemandem.
Schon der Trailer zum Schlachtenepos war eine viel versprechende Synthese aus Bild und Ton (mehr dazu
hier). Der Film hält das Versprechen ein und präsentiert ein perfektes Zusammenspiel aller optischen und akustischen Elemente. Wie bei
Sin City wurde auch
300 fast ausschließlich vor Green Screen gedreht. Anders als bei Ersterem stellt man aber die Realität des historischen Gemetzels nie in Frage. Und das trotz völlig überzogener Action und einem Reigen von Fantasy-Monstern, die es nie gegeben haben kann. Auch sah Gewalt (alle moralischen Bedenken mal außen vor gelassen) noch nie so gut aus. Egal ob spritzende Blutfontänen, abgeschlagene Körperteile oder verwesende Leichname, alles sieht aus wie gemalt. Dazu gibt es einen krachig-elegische Mischung aus klassischer und Rockmusik, die gut zum Geschehen passt. Sogar Blitz, Donner, das Pfeifen von Pfeilen und das Dröhnen von Schilden werden zu einem Teil der Gesamtkomposition.
Als Identifikationsfigur für den Zuschauer dient König Leonidas. Gerald Butler verkörpert ihn kongenial als Mischung aus wilder Entschlossenheit, mit der er seine Männer anfeuert, und leisen Zweifeln, die ihn allein oder mit seiner Frau, Königin Gorgo (Lena Headey) ereilen. Zusätzlich gelingt es ihm, ein irres Funkeln in seinen Augen zu erzeugen, der den todesgeilen Wahnsinn der spartanischen Gesellschaft zum Ausdruck bringt. Butler, mit Rollen wie
Das Phantom der Oper oder
Attila immer kurz vorm Durchbruch, dürfte sich mit diesem Film endgültig als ernstzunehmender Schauspieler etabliert haben.
Anders als im Comic wurde eine Nebenhandlung mit der Königin eingefügt, die versucht, Verstärkung für ihren Mann zu organisieren und sich dabei mit dem schmierigen Politiker Theron (Dominic West) herumschlägt. Diese ist zwar ein wenig überflüssig, sorgt aber für dankbare Pausen in der unermüdlichen Schlacht und gibt einen Einblick in die zivile Seite der spartanischen Gesellschaft. Viel mehr Tiefe kann sie der flachen Story aber auch nicht verleihen.
Die ist aber auch nicht weiter wichtig, denn
300 ist vor allem Eines, nämlich perfekte Unterhaltung. Zack Snyder versteht es, Slow-Motion-Aufnahmen perfekt trainierter Körper mit normal schnellen, rasant geschnittenen Szenen abzuwechseln, so dass man anders als bei vielen anderen Filmen dieser Art, nie den Überblick verliert. Allerdings zeigt diese Videoclip-Ästhetik während der über zwei Stunden langen Laufzeit leichte Ermüdungserscheinungen. Echte Langeweile stellt sich aber nie ein.
Alles in allem erfindet Zack Snyder zwar den Actionfilm nicht neu, verabreicht dem Genre aber einen stylistische Blutinfusion, die es schon lange gebraucht hat. Ich freue mich schon auf seinen nächsten Film „Watchmen“, wieder die Verfilmung eines Kultcomics. Mein Fazit: 270 von 300 Spartanern sterben ehrenvoll.